Zwei Runden sind gespielt. Das ist im Fussball eigentlich nicht mehr als eine Momentaufnahme des Saisonauftakts. Und doch beginnt sich bereits eine Wahrheit abzuzeichnen: Nicht jeder Favorit ist bereit für den Aufstiegskampf.
Der FC Aarau wirkt wie ein Orchester mit ausgezeichneten Musikern, das den Dirigenten noch sucht. Die Ambitionen sind gross, die Erwartungen im Brügglifeld traditionell noch grösser. Doch null Siege aus den ersten beiden Partien sind kein Drama – wohl aber ein Warnsignal. Wer im August schon Punkte verschenkt, muss sie im November bei Schneeregen in Kriens oder beim FC Wil zurückholen. Die Challenge League verzeiht keine Anlaufzeit.
Der erste Spieltag hat in der Challenge League bereits gezeigt: Hier wird nicht höflich angeklopft, hier wird mit der Faust gegen die Tür geschlagen. Tore fielen, Favoriten stolperten, Aufsteigerträume wurden geweckt – und nach nur einer Runde beginnt wieder dieses alte Spiel: Wer ist wirklich bereit für den grossen Wurf?
Ganz oben steht nach dem Auftakt Étoile Carouge. Ein 3:0 gegen Aarau – das ist mehr als ein Resultat, das ist eine Ansage. Die Genfer haben wie schon in der vergangenen Saison gezeigt, dass sie erneut nicht gekommen sind, um Statist in dieser Liga zu spielen. Doch jetzt wartet mit Yverdon ein Gegner, der beim 2:2 in Winterthur bereits bewiesen hat, dass er sich nicht verstecken will. Zwei Teams mit Ambitionen treffen aufeinander – und beide wollen beweisen, dass der erste Eindruck kein Zufall war.
Die Challenge League ist wieder das, was sie am besten kann: Ein brodelnder Schmelztiegel aus Tradition, Ambitionen und existenziellen Fragen. Kaum irgendwo liegen Hoffnung und Ernüchterung näher beieinander. Zehn Klubs starten Ende Juli in eine Saison, in der am Ende nur einer direkt den goldenen Lift in die Super League besteigen darf. Für die anderen bleibt höchstens die Hoffnung auf die Barrage – oder die nackte Realität des Abstiegs.
Der grösste Name im Feld ist zweifellos der FC Winterthur. Der Absteiger aus der Super League verfügt trotz des Abstiegs über eine Infrastruktur, ein Publikum und Möglichkeiten, von denen die Konkurrenz nur träumen kann. Doch die Challenge League verzeiht keine Selbstüberschätzung. Wer glaubt, allein mit Vergangenheit und Tradition aufzusteigen, wird schnell eines Besseren belehrt. Winterthur muss vom ersten Spieltag an liefern.
Nur drei der zehn Teams der Challenge League 2025/26 stammen aus der Deutschschweiz und erinnern so etwas an das von den Römern umringte, gallische Dorf bei Asterix und Obelix.
Was in dieser Saison auffällt: Drei tapfere Clubs aus der Deutschschweiz – FC Aarau, FC Wil und FC Rapperswil-Jona – halten allein die Stellung gegen eine Übermacht der Romandie, des Tessins und des Fürstentums Liechtenstein.
Die Lage im «Dorf»
Mitten im grünen Mittelland liegt das kleine gall… äh, deutschschweizerische Fussballdorf. Dort üben Aarau, Wil und Rappi mit viel Herzblut den Widerstand und überlegen, was nötig ist, um dem Ansturm zu trotzen!
18 Spieltage ungeschlagen und dennoch die Tabellenführung verloren und einen Rückstand von sechs Punkten auf Rang eins eingehandelt: Durch sechs Unentschieden in Folge – übrigens ein Liga-Rekord seit Einführung der Challenge League mit zehn Teams – ist der FC Aarau etwas zurückgefallen.
Als der FC Aarau seine unglaubliche Serie begann, lag das Team auf Rang 4. Zwischenzeitlich katapultierte diese Ungeschalgenheits-Reihe die Mannschaft auf den ersten Rang. Wegen nun sechs Unentschieden in Serie liegt der FCA nun wieder sechs Punkte hinter dem FC Thun.
Der Vergleich der normalen Tabelle mit der Rangliste ab der 75. Minute bis zum Schlusspfiff offenbart interessante Abweichungen in den Platzierungen der Teams: Der FC Thun liegt in dieser Wertung «nur» auf Rang fünf während der FC Vaduz und Etoile Carouge vorneweg sind.
Etoile Carouge ist der grosse Gewinner im Vergleich beider Tabellen. Während sie in der Gesamtrangliste auf Rang 3 liegen, führen sie die Tabelle der letzten Minuten mit starken 32 Punkten an. Das deutet darauf hin, dass das Team besonders in der Schlussphase konzentriert und effektiv spielt.
Ein weiteres Beispiel für einen grossen Unterschied ist AC Bellinzona, dieses Team liegt in der normalen Tabelle nur auf Rang 7 liegt, aber in den letzten Spielminuten deutlich stabiler auftritt und Rang 4 erreicht.
Neuchâtel Xamax feiert einen Kantersieg gegen den FC Vaduz, Etoile Carouge glänzt gegen den FC Wil, und AC Bellinzona setzt sich in Aarau durch. Der Kampf um die Spitzenplätze spitzt sich zu, während der FC Thun weiterhin die Tabelle anführt und der FC Schaffhausen dem Tabellenführer trotzt.
Neuchâtel Xamax mit Kantersieg gegen FC Vaduz
Am Freitagabend eröffnete Neuchâtel Xamax den Spieltag mit einem beeindruckenden 4:1-Sieg gegen den FC Vaduz. Die Mannschaft aus Neuchâtel ließ keine Zweifel an ihrer Stärke aufkommen. Früh dominierten sie das Spielgeschehen und überrollten die Gäste aus Liechtenstein mit einer furiosen Offensive. Die Fans im Stade de la Maladière jubelten lautstark, als die Führungs-Tore fielen, auch wenn nach dem frühen 1:0 zunächst noch der Ausgleich zum 1:1-Pausenstand fiel.
Stade Nyonnais unterliegt Stade-Lausanne im Romand-Derby
Weiter südlich in Nyon trafen zwei Westschweizer Teams aufeinander. Doch was als Derby-Krimi hätte enden können, entwickelte sich zu einem Triumphzug für Stade-Lausanne. Mit einem deutlichen 3:0-Sieg zeigten die Lausanner, dass sie an diesem Abend nichts anbrennen lassen wollten. Es war der erste Saisonsieg der Waadtländer.
Etoile Carouge leuchtet hell gegen FC Wil
In Carouge zeigte Etoile Carouge eine weitere starke Leistung und besiegte den FC Wil 1900 mit 3:1-Toren. Die Sterne schienen hell über dem Stade de la Fontenette zu leuchten, als die Hausherren ihre Dominanz ausspielten und die in der 19. Minute realisierte Führung nicht mehr aus der Hand gaben; die St. Galler übernehmen das Schlusslicht.
Schaffhausen trotzt dem Tabellenführer FC Thun
Der FC Schaffhausen empfing den Tabellenführer FC Thun in einem packenden Duell, das mit einem 2:2-Remis endete. Die Zuschauer im Lipo Park erlebten ein Wechselbad der Gefühle. Thun, das bis dato in der Liga dominierte, fand in Schaffhausen einen ebenbürtigen Gegner, der den Berner Oberländern alles abverlangte. Der FC Thun bleibt zwar ungeschlagen (bisher 4 Siege und 2 Unentschieden).
Bellinzona siegt in Aarau
Die Gäste aus dem Tessin entführten mit einem 2:1-Erfolg die Punkte und setzten sich in der oberen Tabellenhälfte fest. Aarau konnte den Tessinern nur wenig entgegensetzen und musste sich letztlich geschlagen geben. Der FCA muss sich gegenwärtig mit dem zweitletzten Rang begnügen.
Der FC Thun feiert seinen 300. Sieg in der Challenge League Mit dem FC Vaduz und Xamax warten zwei Teams immer noch auf den ersten Triumph. Ein paar Facts im Round-up zur Challenge League.
300.-Sieg in der Challenge League: Der FC Thun siegte zum zweiten Mal in dieser Saison. Der Vollerfolg über Lausanne-Sport bedeutet gleichzeitig den 300. Triumph in der zweithöchsten Spielklasse der Schweiz. Rekordhalter ist der FC Winterthur mit 680 Siegen, gefolgt vom FC Schaffhausen mit 505 Siegen.
Nur ein 0:0 – verursacht von Stade-Lausanne gegen Lausanne-Sport: Nach sieben Runden und somit 35 Spielen endete nur eine einzige Begegnung torlos: In der vierten Runde zwischen Lausanne-Sport sowie Stade-Lausanne.
Noch kein Zähler: Xamax hat auch nach sieben Runden noch keinen Zähler gewinnen können.
Noch ohne Sieg: Neben Xamax ist auch der Tabellenneunte FC Vaduz sieglos. In der nächsten Runde müssen die beiden Clubs gegeneinander antreten, das Spiel wird in Neuenburg ausgetragen.
Nach fünf Runden ist in der Challenge League kein Team mehr ungeschlagen. Gleichzeitig konnten noch nicht alle Mannschaften einen Sieg einfahren: Der FC Vaduz und Xamax warten beide noch auf ihren ersten Triumph. Ein paar Facts im Round-up zur Challenge League.
Nur ein 0:0 – verursacht von Stade-Lausanne gegen Lausanne-Sport: Nach fünf Runden und somit 25 Spielen endete nur eine einzige Begegnung torlos: In der vierten Runde zwischen Lausanne-Sport sowie Stade-Lausanne.
Kein Team mehr ungeschlagen: Als einzige Mannschaft war der FC Yverdon noch ungeschlagen gewesen. Der FC Wil fügte nun den Waadtländern die erste Niederlage bei.
Noch kein Zähler: Xamax hat auch nach fünf Runden noch keinen Zähler gewinnen können.
Noch ohne Sieg: Neben Xamax ist auch der Tabellenneunte FC Vaduz weiterhin ohne Punktgewinn. In der nächsten Runde müssen beide Clubs auswärts antreten, Xamax trifft auf Lausanne-Sport und der FC Vaduz reist nach Bellinzona.
Der FC Thun und der FC Wil gewinnen ebenso daheim wie der FC Yverdon und Stade-Lausanne. Noch nie in dieser Saison holten die Heimteams in der Challenge Runde so viele Punkte wie in der achten Runde – dies nachdem der bisherige Rekord bereits in der siebten Runde überboten worden war, damals mit 12 Zählern und nun sind es am jüngsten Spieltag bereits 13 geworden.
Klare Bilanz
Der FC Wil gewann das Ostschweizer-Derby mit 2:0-Toren gegen den FC Schaffhausen. Der FC Thun setzt sich mit 3:2-Treffern gegen Xamax durch. Gleich mit 5:0-Treffern bezwingt Stade-Lausanne den SC Kriens und mit 2:0-Toren gewinnt der FC Yverdon gegen den FC Vaduz. Nur der FC Winterthur und der FC Aarau teilen sich beim 0:0-Unentschieden die Punkte.
13:1 Punkte für Heimteams!
Die Bilanz aus Sicht der Heimteams lautet 13:1 Punkte, das bisher beste Ergebnis, wenn die Duelle der Heimteams in der Challenge League zusammengezählt werden. Am sechsten Spieltag punkteten zwar ebenfalls sämtliche Heimteams, holten aber zwei Zähler weniger.
Der Blick auf die bisherigen Spieltage aus Sicht der Heimteams:
Spieltag 1: Ein Heimteam verliert (FC Wil). Nur acht Punkte für die Heimteams 8:5 Zähler.