Heimnachteil in der Challenge League

«Heimnachteil», mit diesem Wort beschrieb der langjährige, ehemalige Eishockey-Nationaltrainer der Schweiz, Ralph Krueger, die Lage der Eisgenossen, nachdem er mit der rot-weissen Auswahl an der Heim-WM vorzeitig ausgeschieden war. Nun trägt die Challenge League diesen Begriff würdevoll weiter.

Denn nur eines der letzten neun Spiele in der Challenge League konnte vom Heimteam gewonnen werden: Der FC Schaffhausen siegte am 2. August daheim gegen Le Mont. Seither konnte sich die Heimmannschaft nicht mehr durchsetzen. In den letzten zwei Runden siegte in der zweiten Liga der Schweiz das Auswärtsteam oder die Matches endeten Unentschieden.

Gleich fünfmal setzten sich die Gäste durch, dreimal endete die Begegnung ohne Sieger. So siegen Chiasso, Biel und Wil in der dritten Runde auswärts, in der vierten Runde traten Chiasso und Biel zuhause an und konnten die Auswärtsperformance aber nicht in einen Triumph auf dem eigenen Rasen ummünzen – und das obschon beide Clubs in der dritten Runde einen Rückstand in einen Sieg gewendet hatten (Chiasso vom 0:1 zum 2:1 und Biel vom 0:2 zum 3:2).

Das Stade de Maladiere, hier trägt Xamax seine Heimspiele aus (Bild: Wikipedia/fcbasel1989).
Das Stade de Maladiere, hier trägt Xamax seine Heimspiele aus (Bild: Wikipedia/fcbasel1989).

MNG legt zu: FC Wil jetzt auch mit türkischem Präsident

Abgezeichnet hatte es sich der Wechsel schon länger, denn ein klares Bekenntnis zum bisherigen Präsidenten Roger Bigger fehlte. Nun wird Murathan Doruk Günal (28) als neuer Präsident des FC Wil vorgestellt. Der studierte Bauingenieur ist bereits Vize-Präsident der MNG-Gruppe, die Mehrheitsaktionärin des FC Wil ist.

Mit Sportdirektor Erdal Keser und Trainer Fuat Capa ist die St. Galler Führungscrew ausschliesslich in türkischer Hand, nach 13 Jahren als Präsident ist Roger Bigger neu Vize-Präsident.

Wer ist diese MNG-Gruppe, die sich fernab der Heimat in einen Challenge-League-Club in der Schweiz investiert? Ingenieur Mehmet Nazif Günal (67) baute innerhalb von vierzig Jahren ein Milliardenunternehmen auf. Die auf seine Initialen lautende MNG-Firma war zunächst eine Baufirma, die heute in mehr als einem halben Dutzend Sektoren tätig ist. Dazu gehören Hotels, eine Fracht-Fluglinie («MNG Kargo») und ein TV-Sender. Die Gruppe baut im Nahen Osten und will nun auch nach Europa expandieren.

Ein Fussball-Club in europäischen Wettbewerben wäre da willkommen. Zudem wollte die MNG-Gruppe nicht in einen «fertigen» Grossclub investieren, sondern einen aus einer tieferen Liga auf die höchste Ebene, so wie einst Hoffenheim in Deutschland.

Ein A330 der MNG-Gruppe (Bild: Wikipedia/Laurent Errera).
Ein A330 der MNG-Gruppe (Bild: Wikipedia/Laurent Errera).

Chiasso, Biel und Wil mit Wendespektakel

Gleich in drei von vier Wochenendspielen zeigen die Teams der Challenge League dramatische Wenden. Und in allen Fällen siegt das Auswärtsteam!

Lausanne Sport gegen FC Chiasso: Schon in der 4. Minute gehen die Waadtländer in Führung. Kurz vor dem Pausenpfiff folgt der Pausenpfiff. Und zehn Minuten nach der Wiederaufnahme des Spiels schiesst Alessandro Ciarrocchi den FC Chiasso zum 2:1-Auswärtssieg. Die Wende geschieht innerhalb von zehn Spielminuten.

FC Aarau gegen den FC Biel: Auf dem eigenen Rasen führt der FC Aarau zur Halbzeit mit 2:0. Endlich, so scheint es, gelangt der Absteiger zu seinem ersten Sieg. Weit gefehlt, zunächst gelingt Antonio Marchesano der Anschluss-Treffer. Dann muss Aarau-Keeper Ulisse Pelloni vom Platz, Marchesano trifft per Penalty – 2:2. Und schon zwei Minuten später trifft Biel erneut zum 3:2-Auswärtssieg. Diese Wende geschah in nur neun Minuten.

Xamax gegen den FC Wil: Aufsteiger Xamax geht ebenfalls in der ersten Halbzeit in Führung. Im zweiten Abschnitt folgt ein Eigentor sowie ein Doppelschlag durch Ivan Audino. Aus dem 0:1-Rückstand wird ein 3:1-Auswärtssieg durch den FC Wil. Diese Wende ereignet sich in nur 16 Minuten.

Nächste Saison werden in Neuenburg wieder Challengue League Spiele geboten (Bild: Wikipedia/Sandstein/CC-Lizenz).
Das Stade de la Maladiere – das Stadion von Xamax Neuenburg (Bild: Wikipedia/Sandstein/CC-Lizenz).

FC Chiasso vorne – FC Aarau mit Fehlstart

Die ersten 180 Minuten der Meisterschaft meinen es nicht gut mit dem FC Aarau. Nach zwei Spieltagen ist das Team aus dem Aargau die Mannschaft, die am wenigsten Tore erzielt hat und auf dem achten Rang liegt. Vorne liegen der FC Chiasso und der FC Wil.

Schon an den letzten Spieltagen in der letzten Saison liessen die Tessiner aufhorchen: Als Marco Schällibaum das Traineramt übernahm, schlug das Team die halbe Liga. Jetzt sind die Ziele im Tessin gross geworden. Die direkte Rückkehr in die Super League ist in dieser Saison besonders schwer.

Daneben hat sich der FC Wil ebenfalls noch keine Blösse geleistet, obschon die St. Galler zu Beginn der Saison einfacher zu schlagen wäre, weil die Automatismen im umgebauten Team erst eingespielt werden müssen. Manche Spieler hatten erst ein Testspiel in der neuen Mannschaft in den Beinen – während Aarau die 2. Runde austrug, spielte Wil eigentlich das dritte Testspiel in der neuen Formation und liess dennoch keinen Gegentreffer zu.

Dies ist derzeit einer der Schwachpunkte beim FC Aarau: Nur ein Tor in 180 Minuten reicht nicht, um die eher grösser gewordene Konkurrenz einzuschüchtern, denn auch im Waadtland verstärkten sich Lausanne Sport und Le Mont, zu letzteren ist erst vor Kurzem der Ex-Internationale Daniel Gygax dazugekommen.

Marco Schällibaum, Trainer des FC Chiasso (Bild: Wikipedia/md.faisalzaman).
Marco Schällibaum, Trainer des FC Chiasso (Bild: Wikipedia/md.faisalzaman).

Pasche ist Lausannes Held

In einer fesselnden 9-Tore-Show errang Lausanne Sport zum Auftakt in die Challenge League Saison einen 5:4-Triumph über den FC Biel. Einer stach dabei besonders hervor: Lausannes Mittelfeldspieler Alexandre Pasche. Eigentlich schien das Spiel längst verloren. 0:3 lagen die Waadtländer gegen die Seeländer zurück. Dann traf Pasche zum 1:3-Anschluss. Doch 10 Minuten später, in der 75. Minute, lag der FC Lausanne erneut mit drei Toren zurück: 1:4. Nach einem Doppelschlag waren die Westschweizer plötzlich wieder da. Und in der 84. Minute schoss Pasche den Ausgleich zum 4:4. Damit nicht genug: Eine Minute vor Schluss fiel sogar der Siegtreffer für Lausanne.

Pasche legte mit seinen beiden Toren zum 1:4 und 4:4 den Grundstein für den spektakulären Erfolg seines Teams. Die neun Tore ereigneten sich übrigens innerhalb von 35 Minuten, der Halbzeitstand lautete 0:0.

Den bisher einzigen Auswärtssieg der Saison gelang dem FC Wil, der den raschmöglichsten Aufstieg in die Super League anstrebt. Gegen den ebenfalls als stark einzustufenden FC Winterthur siegten die Ostschweizer nach einer 1:0-Führung mit 2:1.

Der FC Schaffhausen bezwingt zudem Aufsteiger Xamax mit 2:1 und Le Mont und Chiasso trennen sich 1:1-Unentschieden.

Alexandre Pasche (Bild Wikipedia/Fanny Schertzer).
Alexandre Pasche (Bild Wikipedia/Fanny Schertzer).

47 Länderspiele für den FC Wil

«Für den FC Wil geht es um alles oder nichts!» Mit diesen dramatischen Worten kommentiert das «St. Galler» das Anrühren mit grosser – für die Challenge League goldener – Kelle durch den türkischen Investors «MNG». Santos, Ramos und Korkmaz blicken auf Erfahrung im Nationalteam mit Brasilien, Kap Verde und der Türkei.

Aufstieg in die Super League dann vordringen in den europäischen Fussball: Niemand wird dem FC Wil in nächster Zeit vorwerfen können, es seien keine Ziele vorhanden. In wenigen Tagen folgt der Anpfiff in die neue Saison, diese Athleten sollen das Punktekonto des FCW füllen:

André Santos (32), spielte unter anderem beim FC Arsenal und bestritt 24 Länderspiele mit Brasilien.

Egemen Korkmaz (32), wechselt von Fenerbahce Istanbul, wo auch Santos gespielt hatte, zum FC Wil. Er spielte neun Länderspiele für die Türkei.

Guy Ramos (29), Kap Verde, kommt von Roda Kerkrade – er spielte 14 Mal für das Nationalteam, unter anderem bestritt der den Afrika Cup 2013.

Mert Nobre schoss in der türkischen Süper Lig mehr als 100 Tore, er stösst von Kayserispor zum FC Wil. Er wurde dreimal türkischer Meister und einmal brasilianischer, mit Cruzeiro.

Daneben wurden junge Talente geholt, so etwa Endogan Adili (21) der auf 24 Super-League-Einsätze bei Basel und GC blickt, er kommt von Galatasaray Istanbul. Ebenfalls zum Team stösst unter anderem Kagan Söylemezgiller der in Stuttgart aufgewachsen ist und zuletzt in der Türkei spielte. Keeper Patrick Drewes war dritter Torhüter beim VfL Wolfsburg.

So oder so – der FC Wil sorgt für einen der wohl spannendsten Starts in die Challenge League, zumal mit dem FC Aarau ein Team da ist, das lieber heute als morgen wieder in der Super League spielt.

Egemen Korkmaz Wiki Ultraslansi

Warum das FC Wil-Experiment Chancen hat

Heute wird der FC Wil sein Kader bekannt geben. Bereits jetzt ist klar, dass André Santos Aushängeschild des Klubs wird. Ein ambitionierter FC Wil sorgt für Spannung in der Challenge League – schon vor dem ersten Spieltag.

Ein Teil der Fussball-Schweiz beobachtet die Übernahme der Aktien-Mehrheit – laut «Blick» sollen die 60 Prozent sechs Millionen gekostet haben – durch die türkische MNG-Gruppe mit Argwohn. Nicht zuletzt weil bei Xamax wie auch dem FC Wil, zweimal ausländische Investoren von grossen internationalen Erfolgen sprachen und wenig später einzig der Bankrott blieb.

Auch jetzt wird von Aufstieg und Cupsieg gesprochen. Bereits vor wenigen Wochen war vom europäischen Erfolgen die Rede. So wurde beispielsweise im «Tages-Anzeiger» kritisch beleuchtet, dass von «sehr schnell sehr viel Erfolg» gesprochen wird.

Das Modell dürfte jedoch eher Chancen haben, als die angesprochenen Pleiten. Erstens sind mit der MNG-Gruppe aus der Türkei Ross und Reiter wesentlich greifbarer als dies bei früheren Investoren der Fall war. Zweitens ist für diesen Investor langfristig ein «MNG» auf der Brust in der Euro League durchaus von Interesse, da der Auslandmarkt von MNG wächst.

Zum Kader, das den Aufwärtskurs anstrebt, gehört André Santos, der pro Jahr mehr als 300‘000 Franken verdienen soll. Santos spielte einst für den FC Arsenal, Fenerbahce Istanbul und Flamengo. Zudem bestritt der Aussenverteidiger 24 Matches für die brasilianische Fussball-Nationalmannschaft.

Zudem sind zwei Nachwuchshoffnungen von Galatasaray Istanbul nach Wil transferiert worden, Ontivero (20) und Kaan Baysal (19).

Das Startprogramm des FC Wil ist happig: Zunächst wartet das Auswärtsspiel beim FC Winterthur, am zweiten Spieltag müssen die Ostschweizer gegen den FC Aarau ran, der zurück in die Super League will und in der dritten Runde geht’s zum Liga-Neuling Xamax, der an alte Zeiten anknüpfen will.

André Santos spielt bald für den FC Wil (Bild: Wikipedia/Ronnie Macdonald).
André Santos spielt bald für den FC Wil (Bild: Wikipedia/Ronnie Macdonald).

Lugano vor Winterthur und Wil auf Rang 1

Seit der Saison 2012/13 wird die Challenge League mit jeweils zehn Teams ausgetragen. In dieser Zeit weilten 14 verschiedene Clubs in der Liga. Anbei die Gesamttabelle seit der Reduktion auf zehn Mannschaften.

 

Rang Team Spiele Siege Remis Lost Tore Punkte
1. Lugano 108 52 26 30 171:127 182
2. Winterthur 108 45 22 41 171:142 157
3. Wil 108 42 25 41 180:173 151
4. Wohlen 108 36 27 45 143:168 135
5. Servette 72 38 14 20 100 :98 128
6. Chiasso 108 29 32 47 107 :152 119
7. Biel 108 29 30 49 154 :179 117
8. Vaduz 72 31 17 24 112 :86 110
9. Schaffhausen 72 31 16 25 112 :94 109
10. Aarau 36 24 6 6 76 :41 78
11. Bellinzona 36 21 8 7 62 :37 64
12. Locarno 72 10 20 42 63 :138 50
13. Lausanne 36 12 8 16 47 :57 44
14. Le Mont 36 10 9 17 39 :56 39

 

Bellinzona wurde aus wirtschaftlichen Gründen 2013 zwangsrelegiert.

Servette wurde 2015 aus wirtschaftlichen Gründen zwangsrelegiert.

 

Gianluca Zambrotta spielte zuletzte beim FC Chiasso in der Challenge League (Bild: Wikipedia/Ludovic Peron).
Gianluca Zambrotta spielte zuletzte beim FC Chiasso in der Challenge League (Bild: Wikipedia/Ludovic Peron).

Schweizer Cup: Aarau duelliert sich mit Zürich

Die Auslosung im Schweizer Cup ist über die Bühne gegangen, somit kennen auch die Vertreter der Challenge League ihre Gegner. Ein Wiedersehen gibt es für Xamax, der Aufsteiger aus der Promotion League trifft auf den bisherigen Liga-Konkurrenten SC Brühl.

Dazu kommen zwei Duelle zwischen der Westschweiz und dem Tessin: Lausanne Sport reist zum FC Ticino (3. Liga) und Chiasso fährt zu Stade Nyonnais (Promotion League). In der Deutschschweiz duellieren sich Wohlen mit Küsnacht (2. Liga), Schaffhausen mit den Old Boys Basel (Promotion League) und Super-League-Absteiger Aarau mit FC United Zürich (1. Liga).

In den übrigen vier Cup-Fights steht die Westschweiz der Deutschschweiz gegenüber, mit Wil gegen Bavois (1. Liga), Le Mont gegen SC Buochs (1. Liga), Winterthur gegen Delémont (1. Liga) und Biel gegen Grand Sacconex (2. Liga).

Diese Spiele werden am 15. und 16. August 2015 ausgetragen.

Spielt diese Saison ein Challenge-League-Team im Cup-Final? Dieser fand 2015 in Basel statt (Bild: Wikipedia/Luca-bs).
Spielt diese Saison ein Challenge-League-Team im Cup-Final? Dieser fand 2015 in Basel statt (Bild: Wikipedia/Luca-bs).

Zubi verlässt Servette

Ex-Keeper der Nationalmannschaft verlässt Servette, beim Schweizer Traditionsverein amtete «Zubi» als technischer Direktor. Laut der Zeitung «Le Matin» habe dies nichts mit dem konkursbedingten Abstieg aus der Challenge League in die 1. Liga Promotion zu tun. Der Entscheid sei schon im Frühjahr gereift. Grund sei die familiäre Lage. Er wurde Vater von Zwillingen, die zu früh zur Welt gekommen sind. Ein Umzug aus dem Kanton Solothurn nach Genf kam letztlich nicht in Frage.

Pascal Zuberbühler stand während 51 Matches im Tor des Schweizer Nationalteams. Unter anderem spielte er für GC, Basel, Bayer Leverkusen und Xamax. Unter anderem war Zubi bei der WM 2006 dabei, in den Gruppenspielen bliebt die Schweiz ohne Gegentreffer. Im Achtelfinale hielt er zunächst einen Elfer der Ukraine. Doch weil kein Schweizer traf, schieden die Eidgenossen dennoch aus.

Pascal Zuberbühler (Bild: Wikipedia/Reto Stauffer).
Pascal Zuberbühler (Bild: Wikipedia/Reto Stauffer).