Die Düsseldorfer EG marschiert durch die Liga, Kassel und Crimmitschau lauern und die Lausitzer Füchse suchen ihren Platz in einer Saison, die bereits nach mehr als gewöhnlichem Eishockey riecht.
Zehn Spieltage sind absolviert. Die DEL2 hat ihre erste Momentaufnahme geliefert. Und diese Momentaufnahme ist von bemerkenswerter Klarheit; zumindest an der Spitze. Dahinter herrscht ein Gedränge, das eher an die unübersichtlichen Machtverhältnisse im Römischen Reich erinnert als an eine sauber sortierte Rangliste.
Düsseldorf: die Rückkehr einer Macht
Die Düsseldorfer EG steht mit 27 Punkten aus zehn Spielen ganz oben. 44 Tore erzielt, nur 21 kassiert, Tordifferenz plus 23. Neun Siege in Serie zum Saisonstart machen aus dem Team einen Favoriten, der seine Ansprüche nicht mehr erklären muss.
Die DEG spielt, als hätte sie beschlossen, das Kapitel der vergangenen Enttäuschungen endgültig zu schliessen. Der Kader wurde kräftig verändert, die Offensive verstärkt, die Qualität verbreitert. Der Verein erinnert an eine europäische Metropole während ihrer Renaissance: Die alten Möglichkeiten sind wiederentdeckt, die Mittel vorhanden, der Gestaltungswille unübersehbar. Nur ist die Saison noch lang. Auch das Römische Reich begann nicht an jedem Morgen mit der Gewissheit, ewig zu bestehen.
Kassel und Crimmitschau: die Verfolger mit Substanz
Je 19 Punkte, je 34 erzielte Tore, je 26 Gegentore: Die Kassel Huskies und die Eispiraten Crimmitschau sind nach zehn Runden die statistischen Zwillinge der Verfolgergruppe.
Kassel besitzt die Ambitionen und die Qualität, um Düsseldorf unter Druck zu setzen. Die Huskies müssen allerdings aus der guten Ausgangslage eine dauerhafte Bedrohung machen. Wer ganz nach oben will, darf sich nicht damit begnügen, dass der Tabellenführer irgendwann einmal stolpert.
Crimmitschau wiederum überzeugt mit einer Mannschaft, die sich im Wettbewerb behauptet und offensiv mit den Grossen mithalten kann. Beide Clubs sind derzeit mehr als Statisten im Düsseldorfer Einpersonenstück. Ob sie zu ernsthaften Herausforderern werden, entscheidet sich in der Konstanz.
Landshut: die Kunst des Unvollkommenen
Der EV Landshut hat ebenfalls 19 Punkte, aber eine Tordifferenz von lediglich plus eins. 36 Treffer, 35 Gegentore. Das ist die Bilanz einer Mannschaft, die sich ihre Punkte bisweilen härter erarbeiten muss als die Konkurrenz.
Landshut performt. Doch die Zahlen verraten auch, dass der Weg nicht immer geradlinig verläuft. In der Geschichte waren es selten nur die makellosen Konstruktionen, die Bestand hatten. Oft waren es jene, die ihre Schwächen kannten und trotzdem funktionierten. Genau darin liegt Landshuts Chance: Aus knappen Erfolgen muss eine belastbare Identität werden.
Lausitzer Füchse: kein Triumphzug, aber ein Lebenszeichen
Platz acht, 14 Punkte, 26:33 Tore. Die Lausitzer Füchse stehen mitten im Feld … und damit weder in der Krise versunken noch im Höhenflug. Der jüngste 5:3-Auswärtssieg bei den Starbulls Rosenheim war deshalb mehr als eine hübsche Zahl im Ergebnisdienst. Er war ein Signal nach einer wechselhaften Phase.
Vier Siege aus zehn Partien sind eine brauchbare Grundlage. Sechs Niederlagen und die negative Tordifferenz zeigen allerdings, wo die Arbeit liegt. Vor allem defensiv muss Weisswasser stabiler werden. Dass die Füchse auswärts bereits drei Siege eingefahren haben, ist ein ermutigender Ansatz. Dass sie seit sechs Spielen auf einen Heimsieg warten, ist dagegen eine offene Rechnung.
Die Geschichte kennt Phasen, in denen sich der Fortschritt nicht in gewaltigen Sprüngen, sondern in kleinen Verschiebungen zeigt; wie bei Gutenbergs Druckkunst, deren Revolution ebenfalls nicht an einem einzigen Tag vollendet war. Für die Füchse gilt: Ein Sieg ist noch keine Wende. Aber jede Wende beginnt mit einem Ergebnis, das wieder Vertrauen schafft.