Der EHC Basel setzt den Takt, der HC Sierre schreibt die erste grosse Geschichte

Die Swiss League hat kaum richtig Fahrt aufgenommen, und doch zeichnet sich bereits etwas ab: Der EHC Basel marschiert vorneweg, der HC Sierre drängt mit Macht nach oben – und dahinter beginnt das grosse Gedränge.

Es sind erst wenige Spieltage gespielt. Eigentlich viel zu früh für grosse Wahrheiten. Aber das ist das Schöne am Eishockey: Kaum ist das erste Bully gefallen, beginnt die Tabelle bereits Geschichten zu erzählen.

Und die erste Geschichte heisst EHC Basel. Sechs Spiele, 16 Punkte. Das ist kein Zufallsprodukt eines gelungenen Wochenendes. Basel hat bislang fünf Partien in regulärer Spielzeit gewonnen und sich damit früh an die Spitze gesetzt. Besonders bemerkenswert: Die Mannschaft musste zuletzt innerhalb weniger Tage zweimal gegen Olten antreten – und gewann beide Male. Danach folgte am 29. September der nächste Sieg in Chur.

Basel spielt momentan wie eine Mannschaft, die nicht erst noch herausfinden muss, wohin die Reise geht. Andere suchen noch nach dem richtigen Rhythmus. Basel hat ihn bereits gefunden.

Das ist vielleicht die auffälligste Erkenntnis dieses jungen Herbstes.

Sierre und die Kunst, plötzlich ganz oben aufzutauchen

Noch spektakulärer als die Basler Konstanz wirkt der Start des HC Sierre.

Vier Spiele, vier Siege – und dabei 25 erzielte Tore. Gegen La Chaux-de-Fonds gab es ein 8:4, gegen die GCK Lions ein 3:2 nach Verlängerung und in Arosa folgte ein 8:2. Dann setzte Sierre am 29. September gegen Bellinzona noch einen drauf mit einem 6:3-Erfolg.

Sierre hat damit eine Mannschaft auf die Bühne gestellt, die bisher nicht den Eindruck macht, als wolle sie sich langsam in die Saison hineintasten. Sierre kommt mit einer enormen offensiven Wucht, die man in dieser frühen Phase nicht übersehen kann. 25 Tore nach vier Spielen – das ist eine Ansage.

Natürlich muss man die Kirche im Wallis lassen: Vier Spiele sind keine Saison. Die Tabelle ist in diesem Stadium eher ein Polaroid als ein Gemälde. Aber manchmal genügt ein Polaroid, um zu erkennen, dass etwas Interessantes im Entstehen ist.

Visp: ruhig, solide, gefährlich

Etwas weniger spektakulär, aber ebenfalls bemerkenswert ist der Start des EHC Visp.

Die Walliser holten zunächst einen 1:0-Sieg in Thurgau, schlugen Bellinzona 5:2 und verloren danach bei den GCK Lions erst nach Verlängerung mit 3:4. Gegen Arosa folgte am 29. September ein 5:0.

Neun Punkte aus vier Spielen.

Das klingt zunächst weniger dramatisch als die Basler 16 Punkte oder Sierres Torproduktion. Aber Visp wirkt bislang wie jene Mannschaft, die nicht unbedingt jeden Abend Feuerwerk abbrennen muss, um am Ende noch auf dem Bild zu sein.

Und genau solche Mannschaften können im langen Winter plötzlich sehr wichtig werden.

Bellinzona: der kleine Stachel

Auch Bellinzona gehört zu den interessanteren Erscheinungen des Saisonstarts.

Die Tessiner schlugen zum Auftakt Basel mit 5:4 im Penaltyschiessen und holten später weitere Siege gegen Arosa und Chur. Gegen Visp setzte es zwar eine Niederlage, doch insgesamt steht Bellinzona nach den ersten Partien weit besser da, als es die Rolle des Aussenseiters vermuten lassen könnte.

Bellinzona ist damit eine jener Mannschaften, die man im September vielleicht noch beiläufig betrachtet. Im Februar könnte man sich wünschen, man hätte genauer hingeschaut.

Und dann ist da Olten

Beim EHC Olten ist die Geschichte eine andere.

Die Resultate zeigen ein Team, das zwar Tore produziert, aber bislang Mühe hat, diese offensive Produktion in Punkte umzuwandeln. Gegen Chur gab es einen 9:4-Auswärtssieg, danach aber Niederlagen gegen Basel – zunächst 2:3, später 2:4.

Das ist die eigenartige Welt des Eishockeys: Du kannst neun Tore schiessen und am Ende mit einem guten Gefühl nach Hause fahren. Du kannst danach zwei Tore schiessen und dich fragen, warum die Tabelle so wenig Verständnis für deine Bemühungen zeigt. Olten hat deshalb momentan weniger ein Torproblem als ein Punkteproblem.

Und in einer Liga, in der am Ende jeder einzelne Zähler wie ein Baustein an einem grossen Gebäude zählt, ist das nicht nebensächlich.

La Chaux-de-Fonds sucht noch den Takt

Auch der Start von La Chaux-de-Fonds ist bislang eher durchwachsen.

Gegen Sierre setzte es eine deutliche 4:8-Niederlage, gegen Arosa verlor man 2:5, gleichzeitig gab es aber auch Siege gegen GCK und weitere enge Partien. Gegen Basel unterlag der HCC zuletzt 3:4.

Das Entscheidende: Noch ist überhaupt nichts entschieden.

Diese Tabelle ist kein Monument aus Granit. Sie ist Sand.

Ein paar Siege, zwei Wochen gutes Hockey – und aus Platz sechs kann plötzlich Platz zwei werden. Ein schlechter Oktober, und aus einem vermeintlichen Spitzenteam wird ein Klub, der plötzlich auf die Tabelle schaut wie ein Wanderer auf einen fernen Berggipfel.

Der Herbst ist noch jung – aber Basel hat bereits eine Botschaft gesendet

Die aktuelle Rangliste lautet:

1. Basel – 16 Punkte
2. Sierre – 11 Punkte
3. Visp – 9 Punkte
4. Bellinzona – 8 Punkte
5. La Chaux-de-Fonds – 6 Punkte
6. GCK Lions – 6 Punkte
7. Chur – 4 Punkte
8. Olten – 3 Punkte
9. Thurgau – 3 Punkte
10. Arosa – 3 Punkte

Doch die nackten Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte.

Die andere Hälfte lautet: Basel hat bereits einen Rhythmus gefunden. Sierre hat sich mit einer bemerkenswerten Torproduktion ins Rampenlicht gespielt. Visp wirkt stabil. Bellinzona ist unangenehm. Olten wartet auf die Umwandlung von Aufwand in Ertrag.

Und dahinter? Dort wartet das grosse Gedränge: Noch ist der Herbst nicht einmal richtig kalt. Die Bäume haben ihre Blätter noch nicht vollständig verloren. Die Saison ist also keineswegs geschrieben.

Aber irgendwo beginnt jede grosse Saison mit einem ersten Satz.

In der Swiss League lautet dieser Satz 2026/27 bislang: Basel gibt den Takt vor. Sierre erhöht die Lautstärke. Und der Rest der Liga sucht noch nach der richtigen Tonart. Das ist noch keine Epoche. Aber vielleicht ist es der Anfang einer.

Daniel Gerber