Die Swiss League nimmt Fahrt auf – und plötzlich ist der HC Sierre und der EHC Visp der Massstab

Nach sieben Spielen ziert zwar der EHC Basel die Tabelle, aber mit zwei Spielen weniger ist der HC Sierre direkt auf den Versen (und nach Verlustpunkten Leader). Der EHC Visp liegt nach Verlustpunkten auf Rang drei.

Die Saison ist noch jung. Sehr jung. Eigentlich zu jung für grosse Urteile. Aber Hockey ist keine Wissenschaft, die geduldig auf die Wahrheit wartet. Hockey produziert Wahrheiten im Wochentakt.

Und deshalb darf man nach dieser ersten Phase der Swiss League durchaus einmal innehalten.

Der EHC Basel führt die Tabelle mit 18 Punkten an. Basel hat in sieben Partien fünfmal nach 60 Minuten gewonnen, einmal nach Verlängerung und erst einmal verloren. Dazu kommt ein Torverhältnis von 23:15. Die Mannschaft wirkt nicht spektakulär überdreht, sondern bemerkenswert stabil. Doch die eigentliche Geschichte dieser frühen Saison spielt im Südwesten der Schweiz – im Wallis (Sierre und Visp liegen südlicher als Ambri).

HC Sierre mit bestem Punkteschnitt

14 Punkte aus fünf Spielen. 2,8 Punkte pro Partie. Das ist nicht einfach gut. Das ist in dieser frühen Phase fast schon absurd gut.

Der HC Sierre hat La Chaux-de-Fonds mit 8:4 bezwungen, Arosa 8:2 auseinandergenommen, Bellinzona 6:3 geschlagen und zuletzt Thurgau gleich mit 7:2 bezwungen.

Und heute Abend kommt der Prüfstein: Sierre gegen Basel. Erster gegen Zweiter. 14 gegen 18 Punkte. Der Tabellenführer aus Basel gegen den statistisch stärksten Punktesammler der Liga.

Solche Spiele sind im Oktober noch kein Finale. Aber manchmal fühlen sie sich trotzdem ein wenig so an.

Man könnte sagen: Der EHC Basel hat seine Saison nicht begonnen wie ein Sturm, sondern wie ein Fluss, der weiss, wohin er fliesst.

Das kann am Ende sehr weit führen.

Rang 3 Bellinzona: Der stille Überflieger des Moments

Auf Rang drei steht GDT Bellinzona mit elf Punkten aus sechs Spielen. Das ist bemerkenswert.

Nicht, weil Bellinzona bislang alles überrollt hätte. Im Gegenteil. Die Bilanz ist eigenwillig: drei Siege, ein Sieg nach Verlängerung/Shootout und zwei Niederlagen. Dazu 19:19 Tore.

Die Tessiner haben Basel gleich zum Saisonauftakt nach Penaltys mit 5:4 geschlagen und danach unter anderem Chur und zuletzt GCK Lions bezwungen. Früher war die Tessiner-Mannschaft in der Liga in der Regel recht schnell hinten in der Tabelle aussortiert, damals noch unter den Namen Ticiono Rockets und später den Snakes. Nun ist da eine Mannschaft, die beharrlich an der Tür der oberen Tabellenhälfte rüttelt.

EHC Visp: Nicht glänzend – aber erstaunlich schwer zu schlagen

Der EHC Visp steht nach fünf Spielen bei zehn Punkten und hat erst sieben Gegentore kassiert.

Sieben. Das ist die defensive Zahl, die auffällt. Visp hat gegen Thurgau 1:0 nach Verlängerung gewonnen, Bellinzona 5:2 geschlagen und Arosa gleich mit 5:0 bezwungen. Gegen Basel folgte am Samstag eine hauchdünne 0:1-Niederlage nach Verlängerung.

Das ist eine bemerkenswerte Serie.

Visp ist vielleicht momentan nicht die Mannschaft, über die man die schönsten Geschichten schreibt. Aber genau solche Mannschaften können im Frühling plötzlich sehr unangenehm werden.

La Chaux-de-Fonds: Der Widerspruch auf Rang fünf

Neun Punkte, 26 erzielte Tore, 22 Gegentore. La Chaux-de-Fonds ist das Gegenteil von Visp. Hier ist Bewegung. Hier ist Risiko. Hier sind Tore. Hier ist manchmal auch Chaos.

3:6 gegen Sierre, 5:1 gegen GCK, 4:3 gegen Basel, 6:2 gegen Thurgau und zuletzt 6:2 gegen Olten.

Das Team kann offenbar Spiele gewinnen, indem es den Gegner in eine Hochgeschwindigkeitswelt zwingt.Aber genau dort lauert auch die Gefahr. La Chaux-de-Fonds hat das Potenzial für eine grosse Saison – sofern aus der Dynamik irgendwann Konstanz wird.

Chur: Noch keine Katastrophe, aber eine Frage

Sieben Punkte aus sechs Spielen bedeuten Rang sechs. Das klingt zunächst nach Mittelfeld.

Aber die Formkurve erzählt eine kompliziertere Geschichte. Chur hat Bellinzona und Thurgau geschlagen, musste aber auch Niederlagen gegen Basel und Bellinzona hinnehmen. Am Samstag gelang gegen Arosa ein klares 5:1. Heute folgt bereits die nächste Standortbestimmung gegen La Chaux-de-Fonds. Chur ist damit eine jener Mannschaften, bei denen man Ende Oktober wahrscheinlich deutlich besser wissen wird, wohin die Reise geht.

GCK, EHC Olten, HC Thurgau, EHC Arosa – hier wird es ungemütlich

Die GCK Lions haben sechs Punkte. Das ist nicht dramatisch. Die junge Mannschaft ist traditionell schwer einzuschätzen. Aber Olten, Thurgau und Arosa mit je drei Punkten stehen bereits unter einem gewissen Druck.

Besonders Olten ist momentan die auffälligste Enttäuschung. Ein Team mit Ambitionen auf die obere Tabellenhälfte darf nach fünf Spielen nicht bei drei Punkten stehen. Zwar gab es den 9:4-Sieg gegen Chur zum Saisonauftakt, danach aber setzte es mehrere Niederlagen. Zuletzt verlor Olten 2:6 gegen La Chaux-de-Fonds.

Das ist kein Weltuntergang. Aber es ist ein Warnlicht. Und Warnlichter haben im Sport die unangenehme Eigenschaft, irgendwann zu einer Sirene zu werden, wenn man sie ignoriert.