Bereits zeichnen sich in der Swiss League die ersten Konturen ab, die mehr versprechen als bloss eine lange Qualifikation. Der HC Sierre spielt mit der Wucht eines Titelkandidaten, Basel mit der Kühle eines Aufsteigers in eine neue Dimension. Und der HC Thurgau sucht seinen Weg zwischen Rückschlag und Aufbruch.
Es gibt Saisonstarts, die sind wie ein Feuerwerk: laut, hell, spektakulär und nach wenigen Minuten bleiben bloss Schall und Rauch. Die Swiss League erlebt dagegen gerade einen hoch-interessanten Beginn der neuen Spielzeit.
HC Sierre: ein Angriff auf die Ordnung
Der HC Sierre ist derzeit die Mannschaft, die den Puls der Liga beschleunigt. Die Walliser schiessen Tore in einer Frequenz, die selbst neutrale Beobachter aufhorchen lässt. Neun Treffer gegen Basel, acht gegen Arosa: Das sind keine Resultate, die man beiläufig zur Kenntnis nimmt. Das ist ein offensives Ausrufezeichen.
Natürlich ist eine frühe Tabelle kein in Stein gemeisseltes Gesetz. Aber Sierre vermittelt den Eindruck einer Mannschaft, die nicht erst lange um Erlaubnis fragen will. Sie sucht das Spiel, sie sucht das Tor, sie sucht die Entscheidung. In der Geschichte des Sports sind es oft jene Teams, die ihre Möglichkeiten nicht bloss verwalten, sondern mit Überzeugung ausschöpfen, die eine Saison prägen.
Noch ist Sierre kein Meister … liegt aber inzwischen vor dem EHC Basel und dies mit zwei Spielen, die weniger ausgetragen wurden.
HC Thurgau: die Kunst, wieder aufzustehen
Anders sieht es beim HC Thurgau aus. Seine bisherige Saison gleicht keiner geraden, makellosen Linie. Auf empfindliche Niederlagen folgten Reaktionen, auf Enttäuschungen wieder Punkte. Besonders die jüngsten Siege gegen die GCK Lions und Arosa zeigen, dass sich die Ostschweizer nicht einfach aus dem Rhythmus bringen lassen wollen.
Die 2:7-Niederlage gegen Sierre war ein schmerzhafter Abend. Solche Resultate können eine Mannschaft verunsichern, weil sie nicht nur Punkte kosten, sondern Fragen aufwerfen. Wie stabil ist die Defensive? Wie schnell findet man nach einem Rückschlag zurück zur eigenen Identität? Und wie viel Widerstandskraft steckt tatsächlich in einer Mannschaft?
Thurgau hat darauf zumindest erste Antworten geliefert. Der Sieg gegen die GCK Lions war knapp, jener in Arosa (4:1-Sieg für den HCT) deutlicher. Zwei Spiele, zwei unterschiedliche Prüfungen und beide Male ein positives Ergebnis.
Man darf darin noch keine epochale Wende sehen. Nicht jeder Rückschlag muss zum Wendepunkt werden, nicht jeder Sieg zur Offenbarung. Entscheidend ist die Summe. Wie bei einer langen Reise, auf der nicht der erste Schritt über das Ziel entscheidet, sondern die Fähigkeit, auch nach einem Umweg weiterzugehen.
EHC Basel: der grosse Kontrahent
Die Niederlage des EHC Basel gegen Sierre offenbarte zwar, dass auch Basel verwundbar ist. Das anschliessende enge Spiel gegen die GCK Lions änderte daran wenig: Basel bleibt ein starker Faktor, auch wenn nicht jeder Abend (wie im Moment bei Sierre) nach Wunsch verläuft.
Sierre hat den spektakulärsten Start hingelegt, der EHC Basel und der EHC Visp bilden die Verfolgergruppe, ehe eine gewisse Kluft zu Rang vier folgt.
Daniel Gerber