Schweiz nach Pleite gegen Deutschland – Eisgenossen weiterhin nicht auf Gold-Kurs

Seit rund einem Jahrzehnt sprechen Spieler, Funktionäre und Medienschaffende ab und an davon, dass die Schweiz mit der National League die beste Liga ausserhalb der NHL stellt, womöglich noch vor der KHL (mit dem Argument, dass diese weniger ausgeglichen sei).

Dieser Argumentationslinie folgend, müsste die helvetische Auswahl aber mittlerweile regelmässig in der Top-4 der WM auftauchen und eben irgendwann einmal auch den Titel holen; doch das Warten auf das erste WM-Gold dauert nun seit Anbeginn des globalen Turniers bis mindestens 2022.

Kommt dazu: Seit 2014/15 wird mittels der Champions Hockey League erstmals ein wirklich breit angelegtes, europäisches Club-Turnier durchgeführt. Seither ist das Argument «die beste Liga ausserhalb der NHL» (und somit die beste Liga Europas) per Wettbewerb messbar … und ernüchternd ist festzustellen, dass die National League keineswegs die beste Liga und somit die besten Teams stellt: Mit den bisher sechs Finalspielen hatte die Schweiz nichts zu tun. Gold und Silber (Rang drei wird nicht ausgespielt) gingen an drei verschiedene Mannschaften aus Schweden, an je zwei verschiedene Clubs aus Finnland und Tschechien sowie einmal nach Deutschland …

Und auch WM-Gold hat das Land mit der angeblich «besten Liga ausserhalb der NHL» noch nicht erreicht; seit 2014 (Einführung der Champions Hockey League) holten neben Kanada drei europäische Teams WM-Gold: Russland, Schweden und Finnland.

Eigentlich fehlt wenig – namentlich fehlt den Eisgenossen noch der allerletzte Wille, eine gute Ausgangslage über die Runden zu bringen. Das Ausscheiden in den letzten drei Turnieren schmerzt:

  • 2021: 44 Sekunden vor Schluss gelingt Deutschland der 2:2-Ausgleich (nach einer 2:0-Führung) und dann der Sieg nach Penaltys.
  • 2019: 1 Sekunde vor Schluss(!) gelingt ebenfalls im Viertelfinale den Kanadiern der Ausgleich gegen die Schweiz und dann der Sieg in der Verlängerung.
  • 2018: Die Schweiz führt im Finale gegen Schweden mit 2:1, kassiert den Ausgleich und verliert zuletzt das Penalty-Schiessen – es wäre die erste WM-Goldmedaille gewesen.
Die Schweiz verliert an der Eishockey-WM in Riga, Lettland, gegen Deutschland (Grafik: zweiteliga.org/Bilder: Wikipedia).

Schweiz, Deutschland, die USA und Slowakei warten am längsten auf den Titel

Nun ist klar, wer an der Eishockey-WM in Riga, Lettland, die Viertelfinals bestreitet. «Zeiteliga.org» rechnet nach, wer wie lange auf die WM-Medaille am warten ist.

Als erstes zu nennen sind natürlich die Schweiz und Deutschland, diese beiden Länder konnten das Turnier noch nie für sich entscheiden. Die Schweiz holte zwar immerhin bislang 11mal Edelmetall (3mal Silber, 8mal Bronze) und Deutschland 4mal (2mal Silber, 2mal Bronze). Zu Gold aber reichte es den beiden Nachbarn noch nie – und aufgrund der Direktbegegnung endet für eine Mannschaft die Medaillenjagd so oder so im Viertelfinale.

Bereits in der Vorrunde musste Grossbritannien (bisher letztes und auch einziges WM-Gold im Jahr 1936) und Schweden (letztes WM-Gold 2018) ihre Medaillenjagd durch das Aus in der Gruppenphase für die WM 2021 einstellen.

Von den verbliebenen Mannschaften wartet Finnland als Titelverteidiger (Titel im Jahr 2019) natürlich am wenigsten lange. Danach tut sich bereits eine kleine Kluft (aufgrund des Ausscheidens der Schweden) auf. Seit dem Jahr 2016 wartet Kanada auf den Titel. Und bereits seit 2014 nicht mehr erfolgreich war Russland. Tschechien wartet schon seit 2010 auf den WM-Titel und die Slowakei holte bislang einmal Gold, nämlich 2002 und die USA wartet seit 1960 auf das beliebteste WM-Metall.

Am meisten Tite holten bislang Kanada (26mal WM-Gold) und Rekordsieger Russland (27mal WM-Gold) – die beiden Giganten treffen nun bereits im Viertelfinale aufeinander.

Die Warteliste der Viertelfinalisten in der Übersicht:

  1. Schweiz und Deutschland: Warten seit immer
  2. USA 1960
  3. Slowakei 2002
  4. Tschechien 2010
  5. Russland 2014
  6. Kanada 2016
  7. Finnland 2019
Die Schweiz, Deutschland, die USA und die Slowakei warten am längsten auf WM-Gold (Grafik: zweiteliga.org/Bilder: Wikipedia).

Geschlossene Gesellschaft

Nichts Neues in der ersten Tableau-Hälfte der Eishockey-Welt: Die Top-8 der Weltrangliste zieht geschlossen in die Viertelfinals ein. Die Kräfteverhältnisse sind bei der jüngsten Weltmeisterschaft scheinbar in Stein gemeisselt, kein Team ausserhalb der ersten acht schaffte den Sprung in die Final-Runden.

Auch Gastgeber Slowakei (Rang 10 der Weltrangliste, und damit scheinbar in Reichweite) schaffte den Sprung ins Viertelfinale nicht. Selbst innerhalb der Viertelfinal-Paarungen ist die Hierarchie mehr oder weniger «gewährleistet».

Russland, Kanada und Schweden holten 13 der letzten 16 Titel. Und zusammen mit Tschechien holten diese drei Nationen 76 von bisher 82 Goldmedaillen, dazu kommen noch die USA und Finnland mit je zwei Titeln, dazu triumphierten je einmal die Slowakei und … Grossbritannien (1936 in Garmisch-Partenkirchen).

Deshalb ist es zumindest in der Theorie möglich, dass doch noch eine neue Mannschaft den Titel holt: Die Schweiz (bisher 3mal Silber und 8mal Bronze) oder Deutschland (bisher 2mal Silber und 2mal Bronze).

Daniel Gerber

Schweizer Eishockey Nationalmannschaft (Bild: Wikipedia/Christophe95).

Rächen sich Schweizer jetzt für Eisgenossen-Pleite?

Das Fussball-Sommermärchen geht für die Schweiz und für Schweden weiter. Es kommt somit auf dem Rasen zu einer möglichen Knock-out-Revanche der besonderen Art: Erst im vergangenen Monat musste sich die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft bekanntlich erst im Finale geschlagen geben. Der Gegner damals im Penalty-Schiessen: Schweden! Xherdan Shaqiri, Breel Embolo und Granit Xhaka können sich nun für diese Finalniederlage «rächen», indem sie die Fussball-Schweden nach Hause schicken.

Aber Achtung: Die Schweden haben bereits acht WM-Title aus dem Rennen geworfen (Italien vier und Deutschland vier).

Schweden kippte Italien, Deutschland, Niederlande raus

Deshalb ist zur Vorsicht vor den Nordländern gemahnt, auch wenn die Schweiz eine positive Bilanz gegen diese Mannschaft hat (28 Spiele, 11 Siege, 7 Unentschieden, 10 Niederlagen). Insbesondere für Schweden handelt es sich bei der Qualifikation fürs Achtelfinale um einen riesigen Kraftakt. Denn die Skandinavier starteten als Aussenseiter ins WM-Abenteuer. Aus dem Topf 3 in die Gruppe F gelost, schien das Schicksal mit den beiden Giganten Mexiko und Deutschland zum Vornherein besiegelt.

Bereits der Weg ans Turnier war für die Nordländer ein hartes, mühseliges Stück Arbeit: Bereits in der Qualifikation fand sich Schweden im dritten Lostopf. Die Mannschaft wurde in die Gruppe gelost, in der sich mit Frankreich und den Niederlanden zwei ganz grosse Namen befanden. Frankreich lag zum Zeitpunkt der Auslosung auf Rang 22 der FIFA-Weltrangliste und die Niederlande sogar auf Position 5. Schweden dagegen war auf Rang 33 zu finden.

Doch es gelang den Schweden, sich den zweiten Rang vor den Niederlanden zu sichern. Dadurch gelangte dieses Team unter die acht besten Gruppenzweiten – und wieder im tieferen Lostopf. Der nächste Gegner? Italien, der vierfache Weltmeister. Mit 1:0-Toren setzte sich Schweden durch. Und am dritten Gruppenspieltag in Russland zog das Team nun auf Kosten von Deutschland ins Achtelfinale ein.

Schweden vor einem Länderspiel in Österreich (Bild: Wikipedia/Nicholas B).

WM in Paris: Packender Kampf um die Top-10

Die Teams aus der Top-6 sind in aller Regel unter sich: Kanada, Russland, Schweden, Finnland, Tschechien und die USA machen die ersten sechs Ränge vielfach unter sich aus. Dahinter reihten sich in den letzten Jahren in aller Regel die Slowakei, die Schweiz, Deutschland, Lettland und Weissrussland ein. Zuletzt gesellte sich auch Norwegen gelegentlich in die Top-10, zudem pocht mittlerweile auch Dänemark (aktuell Rang 13) an die Tür der Top-12.

Seit 2003 wird die Weltrangliste jährlich erstellt, auf Rang 10 wechselte seither 13mal der Zehnte des Rankings; also fast in jedem Jahr. Aktuell liegt Deutschland auf Position zehn.

An der WM in Paris sind die Weltnummern 1 bis 15 vertreten, sowie 18 (Italien). Die gegenwärtige Nummer 16 (Kasachstan) weilt in der Division 1A und wird vorerst auch da bleiben, da Österreich (Rang 17) und Südkorea (23) den Aufstieg in Top-Division schafften.

Eishockey-Weltrangliste seit 2003 (Bild: Wikipedia/JamesyWamesy, Teodor Östlund).