Xamax zwischen Anspruch und Wirklichkeit, der SC Kriens schreibt sein eigenes Märchen

Die Challenge League und ihre erstaunliche Dramaturgie: Lausanne-Ouchy ist auf Rekordkurs, Winterthur lauert, der SC Kriens überrascht und Xamax sucht die verlorene Konstanz. Vor der 13. Runde ist die Saison bereits reich an packenden Stories.

Mit acht Spielen ohne Gegentor in den ersten elf Partien und insgesamt nur drei Gegentoren stellte Stade Lausanne-Ouchy einen neuen Defensivrekord in der Challenge League auf. Der Rekord für die längste Serie an ungeschlagenen Spielen zum Saisonstart liegt bei 18 Partien in Folge ohne Niederlage. Diesen absoluten Bestwert stellte der FC Zürich in der Saison 2016/17 auf. Die zweitlängste schaffte der FC Lugano mit 13 Spielen in der Saison 2008/29. Nun ist SLO auf Rang drei vorgerückt mit zwölf Spielen ohne Niederlage direkt ab Saisonbeginn.

Zwölf Runden sind gespielt. Stade Lausanne-Ouchy thront also mit 28 Punkten und einer bemerkenswerten Tordifferenz von 23:5 an der Spitze. Vier Punkte dahinter lauert Winterthur. Yverdon ist ebenfalls noch in Reichweite. Und dahinter beginnt jenes faszinierende Mittelfeld, in dem sich Hoffnung, Ernüchterung und gelegentliche Fussballwunder begegnen.

Xamax: Der grosse Name und die kleine Konstanz

Neuchâtel Xamax ist derzeit ein Verein zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Fünf Siege, ein Unentschieden, sechs Niederlagen, Rang fünf und ein Torverhältnis von 16:20. Das ist keine Bilanz, die den historischen Ansprüchen des Traditionsklubs gerecht wird. Xamax ist schliesslich nicht irgendein Verein. In Neuenburg weiss man noch, wie sich grosse Fussballnächte anfühlen.

Aber Geschichte ist im Fussball ein kostbares Erbstück, kein gültiger Tabellenplatz. Die Mannschaft muss sich ihre Zukunft auf dem Rasen verdienen. Der jüngste Rückschlag gegen Aarau (1:3) war ein weiterer Hinweis darauf, dass die Neuenburger noch nicht über die nötige Stabilität verfügen. Am Sonntag wartet mit Yverdon auswärts eine anspruchsvolle Prüfung. Ein Erfolg könnte ein Signal sein. Eine weitere Niederlage würde die Zweifel nähren.

Kriens: Die Renaissance eines Aussenseiters

Die vielleicht schönste Geschichte dieser Meisterschaft schreibt bislang der SC Kriens. Der Aufsteiger aus der Promotion League hat sich mit 16 Punkten auf Rang vier festgesetzt. 21 erzielte Tore sind für einen Neuling eine bemerkenswerte Visitenkarte.

Kriens erinnert ein wenig an jene historischen Aufsteiger, die nicht wussten, dass sie eigentlich kleiner sein sollten als ihre Gegner. Wie die junge Schweizer Eidgenossenschaft von 1848: nicht mit dem grössten Machtapparat ausgestattet, aber mit erstaunlicher Widerstandskraft und einem eigenen Selbstverständnis.

Freilich: Zuletzt gab es gegen Wil nur ein 1:1. Am Freitag wartet Rapperswil-Jona. Kriens muss beweisen, dass seine Geschichte mehr ist als ein hübsches Anfangskapitel.

Winterthur: Der Absteiger mit dem langen Atem

Winterthur hat den Abstieg offenbar nicht als Schicksalsschlag, sondern als Auftrag verstanden. 24 Punkte, Rang zwei und 26 Tore – keine Mannschaft trifft häufiger. Der FCW ist offensiv eine Macht und hat nach zwölf Runden bereits eine klare Aufstiegsbotschaft formuliert.

Der 3:0-Erfolg gegen Wil unterstreicht die Ambitionen. Winterthur wirkt wie ein historischer Rückkehrer, der seine alte Bühne wieder beansprucht. Am Samstag gegen Étoile Carouge darf sich die Mannschaft keinen Leichtsinn leisten. Lausanne-Ouchy ist vier Punkte entfernt. Das ist im Fussball keine Ewigkeit, aber auch kein Sonntagsspaziergang.

Eine packende Runde wartet

Die 13. Runde verspricht einiges: Kriens empfängt Rapperswil-Jona, Lausanne-Ouchy reist nach Nyon, Aarau spielt gegen Wil. Am Samstag folgt Winterthur gegen Carouge, am Sonntag das reizvolle Duell Yverdon gegen Xamax.

Daniel Gerber