Die DEL2 ist im Herbst angekommen. Fünf Mannschaften erzählen fünf Stories von verpassten Chancen, überraschender Widerstandskraft und der alten Erkenntnis, dass eine Saison kein Sprint ist, sondern eine Reise durch wechselnde Epochen.
Es ist Ende Oktober. Die Blätter fallen, die Tabelle gewinnt Konturen – und doch ist das DEL2-Klassement noch kein in Stein gemeisseltes Vermächtnis. Zwölf Spieltage sind absolviert. Zeit für erste Urteile, aber nicht für endgültige Wahrheiten.
Bietigheim Steelers: Der Glanz der Vergangenheit, die Härte der Gegenwart
Platz zwölf, 13 Punkte, drei Niederlagen in Serie. Die Bietigheim Steelers stehen dort, wo ein Klub mit höheren Ansprüchen nicht stehen möchte. Nach dem Halbfinaleinzug der vergangenen Saison ist der Fall ins untere Tabellendrittel ernüchternd. Gegen Düsseldorf erzielte Bietigheim fünf Tore und verlor trotzdem nach Verlängerung; danach folgten Niederlagen gegen Ravensburg und Landshut. Die Offensive lebt, die Defensive gewährt zu viel.
Die Geschichte kennt solche Zwischenkapitel. Auch die grossen Kultur- und Wirtschaftszentren Europas erlebten Phasen, in denen der alte Ruhm nicht mehr als die Erinnerung an bessere Zeiten war. Für Bietigheim ist der Herbst deshalb eine Prüfung der Substanz. Die Mannschaft muss beweisen, dass der Halbfinaleinzug kein einmaliges Feuerwerk war. Noch ist nichts verloren. Aber die Zeit der Ausreden wird kürzer.
Eispiraten Crimmitschau: Die Kraft der Unbequemen
Crimmitschau ist Sechster und damit ein Beispiel dafür, dass im Eishockey nicht allein die Namen und Budgets entscheiden. Die Eispiraten haben Kassel bereits überrascht und gehören zum engen Verfolgerfeld hinter der Spitze.
Ihr Wert liegt darin, dass sie Begegnungen kompliziert machen können. Sie sind kein Gegner, gegen den man sich mit einem grossen Namen auf der Brust und ein wenig Routine drei Punkte abholt.
Eisbären Regensburg: Ein Signal mit Nachdruck
Regensburg hat Düsseldorf mit 4:0 bezwungen und damit gezeigt, dass der Tabellenführer nicht unantastbar ist. Der zweite Platz ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer Mannschaft, die sich auch gegen grosse Gegner behaupten kann.
Ein solcher Sieg ist mehr als eine Momentaufnahme. Er verändert die Wahrnehmung einer Mannschaft – bei den Gegnern ebenso wie in der eigenen Kabine. Wie bei einer historischen Zeitenwende muss daraus allerdings erst eine neue Ordnung entstehen. Ein grosser Abend ist noch keine grosse Saison. Doch Regensburg hat den Beweis erbracht, dass es für mehr als eine Nebenrolle infrage kommt.
Dresdner Eislöwen: Die Kunst, sich zurückzumelden
Dresden liegt mit 21 Punkten im oberen Tabellenmittelfeld. Der Erfolg in Freiburg am zwölften Spieltag unterstreicht, dass die Eislöwen auch auswärts bestehen können. Mit 47 erzielten Toren gehört die Offensive zu den produktiveren der Liga.
Dresden ist damit ein Team, das man nicht vorschnell einordnen sollte. Die Geschichte ist voller Wiederaufstiege, die nicht mit einem einzigen Triumph begannen, sondern mit vielen kleinen Schritten. Die Eislöwen müssen aus guten Auftritten Konstanz machen. Gelingt das, ist der Anschluss an die vorderen Plätze realistisch.
EC Bad Nauheim: Wenn jeder Punkt zum Ereignis wird
Acht Punkte aus zwölf Spielen, Tabellenplatz 14: Für Bad Nauheim ist die Lage ernst. Gerade einmal 25 Treffer stehen zu Buche. Während andere Mannschaften bereits über die Playoffs nachdenken, muss Nauheim zuerst die unmittelbare Gegenwart bewältigen.
Doch eine lange Saison ist kein historisches Urteil, das schon im Oktober gefällt werden darf. Entscheidend ist, ob aus Rückschlägen eine Reaktion entsteht. Bad Nauheim braucht keine pathetischen Versprechen, sondern Punkte, defensive Stabilität und wiedergewonnenes Selbstvertrauen.
Der Herbst schreibt erst das Vorwort
Die DEL2 zeigt sich nach zwölf Spieltagen als Liga der unterschiedlichen Wahrheiten. Regensburg klopft oben an, Crimmitschau mischt mit, Dresden hält Anschluss. Bietigheim sucht den Weg zurück zu den eigenen Ansprüchen, Bad Nauheim den Ausweg aus dem Tabellenkeller.
Noch ist die Saison ein offenes Buch. Der Herbst liefert die ersten Kapitel, aber nicht das letzte Wort. Und manchmal beginnt eine grosse Geschichte genau dort, wo die Tabelle zunächst nur Probleme erkennen lässt.