Vierzehn Spieltage sind absolviert. Die DEL2 hat ihre erste Standortbestimmung hinter sich. Ganz oben thront die Düsseldorfer EG. 35 Punkte, 56 Tore, erst eine Niederlage.
Düsseldorf spielt derzeit, als hätte man die Ordnung der Liga neu vermessen und dabei beschlossen, dass der Rest zunächst einmal Abstand zu halten hat. Die DEG verbindet offensive Wucht mit defensiver Stabilität. Ein wenig erinnert diese Dominanz an jene großen Epochen des Sports, in denen eine Mannschaft nicht bloss gewinnt, sondern den Massstab für alle anderen setzt. Allerdings: Eine Saison ist kein Monument aus Stein. Sie ist ein Bauwerk, das jeden Spieltag neue Risse bekommen kann.
EV Landshut in Lauer-Position
Dahinter steht der EV Landshut auf Rang zwei. 26 Punkte nach 14 Partien, dazu zuletzt vier Siege aus fünf Spielen. Besonders die Offensive hat Fahrt aufgenommen: 23 Treffer in den vergangenen fünf Begegnungen sind ein Ausrufezeichen. Landshut wirkt nicht unverwundbar, dafür aber ausgesprochen lebendig. Die Mannschaft hat sich in der Spitzengruppe festgesetzt, ohne bereits den Eindruck eines fertigen Meisterschaftskandidaten zu vermitteln. Vielleicht liegt gerade darin ihre Stärke: Der EVL hat noch Entwicklungspotenzial. Die Saison ist für die Niederbayern kein Spaziergang durch ein bereits geschriebenes Geschichtsbuch, sondern eher ein Kapitel, dessen beste Seiten noch entstehen könnten.
Starbulls Rosenheim erfreuen
Eine der erfreulichsten Entwicklungen kommt aus Rosenheim. Die Starbulls stehen auf Platz sechs, haben sich seit Saisonbeginn um vier Ränge verbessert und reisen mit drei Siegen in Serie in die Pause. Der 7:5-Erfolg in Ravensburg war ein Spektakel mit offenem Visier. Rosenheim ist damit noch kein Titelanwärter auf dem Silbertablett, aber eine Mannschaft, die sich zunehmend Gehör verschafft. Die Kurve zeigt nach oben. Wer solche Phasen konservieren kann, wird im Frühjahr unangenehm zu bespielen sein.
Die Wölfe noch nicht in Komfortzone
Platz zehn, 19 Punkte – auf den ersten Blick eine eher bescheidene Zwischenbilanz. Doch die Wölfe haben vor der Deutschland-Cup-Pause zwei Siege aneinandergereiht und Bad Nauheim auswärts gleich mit 6:3 bezwungen. Auch Bietigheim wurde zuvor geschlagen. Freiburg ist damit noch nicht in der Komfortzone, aber die Mannschaft hat sich wieder Luft verschafft. Im Sport gibt es diese Momente, in denen eine Saison nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit zwei kleinen, entscheidenden Schritten eine andere Richtung nimmt. Genau dort könnte Freiburg gerade stehen.
Lebenszeichen der Steelers
Weniger behaglich ist die Lage in Bietigheim. Tabellenplatz 13, 16 Punkte und die Freistellung von Trainer Tim Kehler. Doch ausgerechnet danach gelang gegen Regensburg ein 5:3-Erfolg. Ein bemerkenswertes Lebenszeichen, das zeigt, dass die Steelers keineswegs abgeschrieben werden dürfen. Ob der Trainerwechsel unter Boris Blank die Wende einleitet, muss sich erst zeigen. Die Geschichte des Sports kennt genügend Beispiele, in denen aus einer Krise ein Neubeginn wurde. Aber sie kennt ebenso viele, in denen ein einzelner Erfolg nur ein kurzes Aufflackern blieb.
Die DEL2 hat noch keine endgültige Dramaturgie gefunden. Aber sie hat bereits ihre Hauptdarsteller. Und wie in den grossen historischen Erzählungen gilt: Nicht immer entscheidet der glänzendste Auftakt über den Ausgang. Manchmal wird Geschichte erst dann geschrieben, wenn die ersten Gewissheiten längst verblasst sind.
Daniel Gerber