Gegen jede Regel: SC Paderborn 07 bezwingt die Statistik

Paderborn. Flutlicht. Ein Stadion, das atmet wie ein einziger Organismus. Und irgendwo zwischen der 37. und 99. Minute passiert etwas, das der deutsche Fußball eigentlich fast verlernt hat. Denn normalerweise gewinnt der Bundesligist diese Barrage …

Seit der Wiedereinführung der Relegation 2009 haben sich in rund 82 Prozent der Fälle die Erstligisten gerettet. Nur drei Zweitligisten schafften tatsächlich den Sprung nach oben; zuletzt im Jahr 2019; also noch vor Corona …

Aber nun stemmt sich ein Klub aus dem Osten von Westfalen gegen die Wahrscheinlichkeit selbst. Wolfsburg beginnt wie ein Konzern auf Dienstreise. Kontrolliert. Kühl. Effizient.

Das frühe 0:1 durch Pejčinović wirkt wie die mathematische Bestätigung dessen, was die Statistik seit Jahren erzählt: Der Große bleibt oben. Der Kleine bleibt unten.

Doch Paderborn spielt nicht gegen vergangene Zahlen sondern für die eigene Zukunft.

Gegen jede Regel: SC Paderborn 07 bezwingt die Statistik weiterlesen

Das 0:0 ist für den SC Paderborn wie ein Auswärtssieg

0:0 nach dem Hinspiel zwischen dem VfL Wolfsburg und dem SC Paderborn – und wenn man ehrlich ist: Das ist genau dieser Spielstand, der keine Ruhe lässt. Für niemanden … der aber dennoch eine Art Auswärtssieg für den SC Paderborn darstellt.

Die Wölfe aus der Bundesliga haben zwar das Heimspiel nicht verloren, aber sie haben eben auch nichts wirklich mitgenommen, was ihnen Sicherheit geben würde. Und der SC Paderborn aus der 2. Liga? Die nehmen dieses 0:0 wie einen kleinen moralischen Sieg mit ins Rückspiel … und auch mit der Erkenntnis: Da geht noch was.

Showdown im Rückspiel

Und jetzt wird’s interessant, denn: Es gibt kein Auswärtstor mehr, das irgendwem ein bisschen Luft verschaffen würde. Das heisst ganz einfach: Wer im Rückspiel gewinnt, bleibt – oder steigt auf. Und wer verliert, der hat ein echtes Problem.

Wolfsburg wird sagen: „Wir haben die Erfahrung, wir spielten eine Saison lang den höheren Rhythmus, wir sind der Bundesligist.“

Das 0:0 ist für den SC Paderborn wie ein Auswärtssieg weiterlesen

Das Verhör zwischen dem VfL Wolfsburg und dem SC Paderborn 07

Relegation. Zwei Spiele. Ein Urteil. Die Relegation ist kein Fussballspiel. Sie ist ein Verhör. Zwei Abende, in denen 34 Spieltage auf ihre endgültige Wahrheit reduziert werden. Kein Tabellenrechner mehr. Keine Ausreden. Nur noch die alte Frage: Wer gehört wohin?

Jetzt also Wolfsburg gegen Paderborn. Der eine Klub aus der Welt der Werkskantinen, Businessplätze und des stillen Anspruchs, selbstverständlich Bundesliga zu sein. Der andere aus Ostwestfalen, wo man sich nicht entschuldigt, wenn man träumt.

Wolfsburg kommt umhüllt mit dem grossen Namen … und dennoch auch ein wenig mit dem Geruch des Scheiterns. Denn wer Relegation spielt, ist nicht knapp gescheitert. Wer Relegation spielt, hat neun Monate lang versucht, den Absturz zu vermeiden und es nicht geschafft. Eine Zwischenwelt. Nicht abgestiegen. Aber auch nicht gerettet.

Das Verhör zwischen dem VfL Wolfsburg und dem SC Paderborn 07 weiterlesen

Der 1. FC Köln sieht Gegner im Rückspiegel

In dieser Saison sind «nur» vier neue Mannschaften in der 2. Bundesliga zu begrüssen, doch diese haben es in sich.

Namentlich der 1. FC Köln startet als Liga-Krösus ins Unternehmen direkter Wideraufstieg in die Bundesliga. Der Kaderwert dieser Mannschaft beträgt nicht weniger als 75,18 Millionen Euro. In der höchsten Spielklasse würde dies zwar nur für den zweitletzten Marktwert-Platz reichen. In der 2. Bundesliga dagegen bedeutet dies den mit Abstand höchsten Rang. Und in der Schweizer Super League würde Köln damit sogar weitaus auf dem ersten Platz liegen, vor dem Meister BSC Young Boys (66,8 Millionen) und dem langjährigen Serienmeister FC Basel (57,75 Millionen).

Ebenfalls sehr gut aufgestellt ist der zweite Absteiger, der Hamburger SV. Diese Mannschaft kommt auf einen Marktwert von 53,2 Millionen. Was immer noch mehr als das doppelte vom Drittplatzierten in dieser Wertung ist: Der FC Ingolstadt operiert mit 23,08 Millionen und auf Rang vier findet sich Dynamo Dresden mit 18,68 Millionen.

Klein aber fein fügen sich die beiden Aufsteiger aus der 3. Liga in die 2. Bundesliga ein: Der SC Paderborn 07 (9,88 Millionen) sowie der 1. FC Magdeburg (8,8 Millionen) liegen nicht meilenweit hinter Rang 16 (SSV Jahn Regensburg mit 11,00 Millionen) und Rang 15 (SpVgg Greuther Fürth mit 11,10 Millionen).

Das RheinEnergieStadion in Köln (Bild: Wikipedia/Sascha Brück).

Die Relegations-Helden der 2. Bundesliga sind vorprogrammiert

Die Wahrscheinlichkeit, dass nach dem 1. FC Magdeburg und dem SC Paderborn 07 ein drittes Team aus der 3. Liga aufsteigt ist gross. Es wäre der Karlsruher SC, der direkt nach dem Abstieg wieder zurückkehrt. Die Aufstiegshelden sind vorprogrammiert: Zum zehnten Mal wird die Relegation von der 3. Liga in die 2. Bundesliga ausgetragen – und nur zweimal konnte sich das höherklassige Team durchsetzen: 2013 konnte Dynamo Dresden gegen den VfL Osnabrück den Klassenerhalt schaffen und 2015 gelang dies dem TSV 1860 München gegen Holstein Kiel. Die anderen sieben Mal siegte das Team aus der unteren Liga. Nun tritt der Karlsruher SC gegen den FC Erzgebirge Aue an, mit einer Statistik im Rücken, die den KSC zum Favoriten stempelt.

Anders sieht es bei der Relegation zur Bundesliga aus. Dort tun sich die Vertreter der 2. Bundesliga ungleich schwerer. 19mal wurde die Relegation zur Bundesliga bislang durchgeführt und nur fünfmal konnte sich der Zweitligist durchsetzen. Die fünf letzten endeten alle mit einem Sieg des Bundesligisten. Mit einem Sieg über den VfL Wolfsburg könnte Holstein Kiel also Geschichte schreiben.

Im Stadion des Karlsruher SC (Bild: Wikipedia/Brian Kohn).

SC Paderborn gelingt Jahrtausendereignis

Am letzten Spieltag kann sich der Tabellenletzte noch auf den Relegationsrang retten. Selten war das Team, das als Schlusslicht in den letzten Spieltag geht, in der Lage, den Abstieg noch nicht besiegelt zu wissen.

In der Saison 2014/15 war der Abstieg des VfR Aalen bereits vor dem letzten Spieltag klar: Abstieg. Im Jahr zuvor war Energie Cottbus bereits seit längerem aus dem Rennen, nach 34 Spielen lautete der Abstand auf den Relegationsrang nicht weniger als zehn Zähler. Ebenso 2012/13 der SSV Jahn Regensburg mit sogar 18 Punkten Rückstand auf Position 16.

Näher daran war 2011/12 Hansa Rostock mit sechs Punkten Rückstand, aber eben auch chancenlos am letzten Spieltag, anders als jetzt Paderborn. Im Jahr davor verzeichnete Arminia Bielefeld einen Rückstand von nicht weniger als 14 Punkten in der Abschlusstabelle – also auch da: Keine Chance am 34. Tag. 2009/2010 ging es Rot Weiss Ahlen nicht besser, eben so wenig 2008/09 dem SV Wehen Wiesbaden, zur Zeit vor der Relegation 2007/08 dem FC Carl Zeiss Jena, 2006/07 der Eintracht Braunschweig oder 2005/06 den Sportfreunden Siegen.

Der 18. hatte auch davor keine Chance, am letzten Tag noch etwas zu richten, für Rot-Weiss Erfurt (2004/05) war der Zug ebenso abgefahren wie 2003/04 dem VfL Osnabrück, 2002/03 dem SV Waldhof Mannheim, 2001/02 dem SV Babelsberg 03, 2000/01 dem Chemnitzer FC, 1999/2000 dem Karlsruher SC und 1998/99 der Fortuna Düsseldorf.

Mit anderen Worten: Dem SC Paderborn 07 ist etwas gelungen, was in diesem Jahrtausend noch kein anderes Schlusslicht von sich sagen konnte: Noch am letzten Spieltag ist der Abstieg vermeidbar.

Die Arena des SC Paderborn 07 (Bild: Wikipedia/Markus Unger).
Die Arena des SC Paderborn 07 (Bild: Wikipedia/Markus Unger).