Der FC Aarau hat sich den Fussball zurückgeholt. Noch vor wenigen Wochen schien die grosse Anfangseuphorie der Saison 2025/26 bloss eine schöne Erinnerung zu sein. Acht Siege zum Auftakt, 24 Punkte aus acht Spielen – der FC Aarau marschierte wie mit Blaulicht durch die Liga. Nun ist der FCA zurück an der Spitze.
Yverdon zählte schon damals acht Punkte Rückstand, Vaduz neun. Die Tabelle wirkte wie ein früher Entscheid. Aber Fussball ist eben kein Verwaltungsakt. Sondern ein Nervenspiel. Und plötzlich begann Aarau zu zittern.
Während die Mannschaft von Runde 9 bis 35 an Tempo verlor und noch 55 Punkte holte, legte Vaduz einen fast meisterlichen Zwischensprint hin: 63 Punkte. Die Liechtensteiner frassen sich Meter um Meter heran, bis aus einem komfortablen Vorsprung eine bedrängende Situation wurde. Aarau verlor seine Selbstverständlichkeit. Die Leichtigkeit wich der Angst vor dem grossen Scheitern.
Zurück an der Spitze
Gerade deshalb ist dieser jüngste Abend in Vaduz mehr als bloss ein Auswärtssieg. Er ist eine Rückeroberung: Der FC Aarau hat sich den ersten Platz wieder geholt. Dort, wo er nach diesen ersten acht Runden eigentlich schon selbstverständlich schien. Aber eben nur schien.
Nun kommt es zum letzten Akt: Ein Punkt Vorsprung. Noch eine Runde. Noch einmal 90 Minuten zwischen Euphorie und Tragödie. Zwischen direktem Aufstieg und einem Sommer voller Fragen (sollte der Aufstieg nicht über die Relegation gelingen).
Die Ausgangslage ist einfach: Aarau kann es jetzt aus eigener Kraft schaffen. Genau das ist im Fussball manchmal das Schönste – und gleichzeitig das Gefährlichste. Denn plötzlich zählt keine Serie mehr. Nicht die acht Siege zu Saisonbeginn. Nicht die 63 Punkte von Vaduz in der grossen Aufholjagd. Nicht die Formtabellen. Nicht die Rechnerei. Nur noch die Nerven. Und genau dort beginnt jetzt die wahre Prüfung des FC Aarau. Der FCA empfängt Yverdon; die Waadtländer liegen auf Rang drei, während Vaduz zum Tabellensiebten FC Wil reist.
Daniel Gerber