Sechs Spieltage. Mehr nicht. Und doch hat diese junge DEL2-Saison bereits eine kleine Dramaturgie entwickelt. Die Düsseldorfer EG thront oben, die Memmingen Indians sorgen für Aufsehen und Kassel und Regensburg bestätigen ihre Ambitionen. Und dahinter beginnt das grosse Gedränge.
Die Rangliste ist nach sechs Runden noch lange kein Urteil über eine Saison. Aber es ist ein erstes Stimmungsbild; und manchmal erkennt man an einem Stimmungsbild mehr als an einer fertigen Tabelle.
Düsseldorfer EG: Der Absteiger 2025 als Aufsteiger der Herzen
Die Düsseldorfer EG ist mit sechs Siegen aus sechs Spielen gestartet. 17 Punkte, 23:9 Tore, ein Torverhältnis von plus 14. Das ist nicht einfach ein guter Start. Das ist eine Machtdemonstration mit höflicher Stimme.
Die DEG hat bislang jedes Spiel gewonnen, vom 4:1 in Crimmitschau über das 2:1 in Ravensburg bis zum 5:1 gegen Weiden.
Der DEL-Absteiger des Jahres 2025 wirkt dabei erstaunlich wenig wie ein Absteiger. Eher wie ein Fürstenhaus, das für eine Saison aus dem Schloss auszieht und fest entschlossen ist, bald wieder zurückzukehren.
Natürlich: Es sind erst sechs Kapitel. Aber Düsseldorf schreibt sie derzeit mit erstaunlich ruhiger Hand.
Memmingen Indians: Der Aufsteiger entdeckt seine historische Stunde
Noch interessanter ist die Geschichte der Memmingen Indians. Platz vier, zwölf Punkte, 22 Tore und eine positive Bilanz von plus sieben. Für einen Aufsteiger ist das bemerkenswert.
Und dann dieses 5:6 nach Verlängerung gegen Ravensburg: Memmingen führte 5:3 und musste sich doch noch geschlagen geben. Das ist bitter … aber auch ein Kompliment. Memmingen hat der Liga gezeigt: Wir sind nicht gekommen, um uns die Sehenswürdigkeiten anzuschauen.
Vielleicht ist das der Beginn einer kleinen Renaissance am Hühnerberg. Die Renaissance Europas entstand schliesslich auch nicht mit einem fertigen Michelangelo. Sie begann mit der Erkenntnis, dass plötzlich etwas Neues möglich war. Memmingen hat diese Erkenntnis offenbar schon gewonnen.
Kassel: Der grosse Name liefert
Kassel ist keine Überraschung. Kassel ist eine Bestätigung. 13 Punkte, 22:15 Tore, Rang drei. Die Huskies stehen dort, wo man sie erwarten durfte. Aber gerade deshalb ist ein guter Start wichtig. Die Mannschaft verliert nicht den Anschluss an Düsseldorf und Regensburg. Sie bleibt in jener Position, aus der im Frühjahr etwas Grosses entstehen kann.
Ravensburg: Leise, aber plötzlich wieder mitten drin
Und Ravensburg? Platz fünf, zehn Punkte – und der spektakuläre Sieg in Memmingen. Die Towerstars haben vielleicht bislang die unscheinbarsten Momente der Top-5-Teams. Aber gerade das macht sie interessant und sie stehen bereit. Es ist ein bisschen wie bei einer historischen Zeitenwende: Nicht immer sind es die Lautesten, die am Ende die neue Ordnung prägen. Manchmal sind es jene, die geduldig im Hintergrund bleiben, während andere bereits ihre Denkmäler bestellen.
Das erste Zwischenfazit
Düsseldorf hat sich an die Spitze gesetzt. Regensburg und Kassel bestätigen ihre Klasse. Memmingen ist die grosse Entdeckung. Ravensburg bleibt gefährlich nah dran.
Nach sechs Spieltagen zeichnet sich bereits eine Erkenntnis ab: Diese DEL2 könnte eine Saison der Verschiebungen werden. Im Moment spricht einiges dafür, dass Düsseldorf und Memmingen dabei zwei der interessantesten Hauptrollen spielen.
Daniel Gerber