Es ist ein Skandal für das Schweizer Eishockey: Der HC Sierre wird Meister der zweithöchsten Liga – und darf trotzdem nicht aufsteigen; respektive die Liga-Qualifikation gegen den HC Ajoie bestreiten. Statt sportlicher Belohnung gibt es Stillstand. Statt Aufstieg wird eine unsichtbare Mauer zwischen den Ligen gebaut.
Mit einem überzeugenden 4:1 im fünften Finalspiel sichert sich Sierre erstmals seit 1968 den Titel. Ein Triumph, der eigentlich der Anfang von etwas Grösserem sein sollte. Doch genau das wird zum Vornherein verhindert. Während Sierre feiert, profitiert ein anderer: Ajoie bleibt ohne sportliche Gegenwehr in der National League – zum wiederholten Mal.
Dabei steht Sierre exemplarisch für das, was Sport ausmachen sollte: Aufbau, Leidenschaft und Erfolg. Nach dem Konkurs 2013 kämpfte sich der Klub aus der 3. Liga zurück nach oben. Spätestens seit dem Einstieg von Chris McSorley wurde daraus ein ambitioniertes Projekt mit klarer Vision: Aufstieg in die National League.
Absurde Realität
Doch diese Vision prallt an einer Realität ab, die zunehmend absurd wirkt. Infrastrukturauflagen dienen als Vorwand, um den sportlichen Wettbewerb auszuhebeln. Obwohl Sierre bereit ist, in eine Übergangslösung zu investieren, bleibt die Tür verschlossen. Der Meister darf nicht einmal um den Aufstieg spielen; obschon auf 2030 eine neue Eishalle in Aussicht steht.
Das Resultat ist für beide Ligen verheerend
In der National League verlieren die hinteren Plätze ihren Schrecken. Wenn selbst ein Dauerschlusslicht wie Ajoie ohne echte Konsequenzen durchkommt, wird der Wettbewerb entwertet. Spannung? Fehlanzeige. Warum kämpfen, wenn am Ende doch nichts passiert? Damit wird auch das zahlende Publikum vor den Kopf gestossen.
Und in der Swiss League? Dort wird der Titel entwertet. Wofür spielt man überhaupt, wenn der grösste sportliche Erfolg «nur» mit dem Titel belohnt wird, die National League aber den Riegel für aufstiegswillige Teams schiebt? Der Meistertitel wird zur Sackgasse.
Eine Feierwall
Dieses System ist nichts anderes als eine sportpolitische Firewall. Sie schützt, statt herauszufordern. Und sie schadet langfristig beiden Ligen.
Die Fans haben genug davon. Wochenlang wird um den Strich gekämpft, es wird gezittert, gehofft und gelitten – nur um am Ende festzustellen, dass alles bedeutungslos war. Kein Aufstieg, kein Abstieg, keine echte Entscheidung. So verliert der Sport seine Glaubwürdigkeit. Und genau das ist das eigentliche Problem.
Daniel Gerber